Integriertes Städtebauliches Leitbild für die Gemeinde Seebad Heringsdorf Durch die Fusion am 01.01.2005 hat sich für die Gemeinde Seebad Heringsdorf ein zusätzlicher Bedeutungsgewinn ergeben, der eine Neupositionierung im Land Mecklenburg-Vorpommern, im Städtedreieck Anklam – Wolgast – Heringsdorf sowie zum Regionalzentrum Swinoujscie erfordert. Mit ca. 9.500 Einwohnern und einer sehr guten sozialen Infrastrukturausstattung wird die Gemeinde Seebad Heringsdorf zwangsläufig zum neuen (Mittel-)Zentrum auf der Insel Usedom(-Wollin) heranwachsen. Die Gemeinde Seebad Heringsdorf ist einer der touristischen Vorzeigedestinationen und Imageträger des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Dies ergibt sich zum einen aus der Historie als See- und Kaiserbäder und zum anderen aus den steigenden Ansprüchen der Gäste an einen qualitativ hochwertigen Tourismus. Spiegelbild dieser Entwicklung war und ist immer die städtebauliche Ausgestaltung, so wie dies den drei Kaiserbädern in den letzten 15 Jahren bei der Sanierung sowie der Integration neuer Baumaßnahmen durch Privatkapital, Städtebauförderung und Privatinitiative überwiegend gelungen ist. Das integrierte städtebauliche Leitbild bietet die Möglichkeit diese Tradition weiter zu führen und im Zusammenspiel zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung ein Bild für die Zukunft zu entwickeln, das die Gemeinde Seebad Heringsdorf in 15 Jahren als glänzende Perle am Ostseestrand erstrahlen lässt. Um diesem künstlerischen Anspruch gerecht zu werden, sind jedoch noch zahlreiche handwerkliche Polierarbeiten erforderlich. Mit dem Leitbild sollen alte Themen neu beleuchtet und neue Ideen entwickelt werden. Mit dem integrierten städtebaulichen Leitbild wird die Strategie einer bürgernahen Entwicklung verfolgt. Zu den wesentlichen Aufgaben zählen: die Sicherung der Zukunftsfähigkeit einer Gemeinde, die Profilschärfung einer Gemeinde, die Koordinierung der Siedlungsentwicklung, die Sicherung und Vorbereitung von Investitionen, die Bündelung von Kapazitäten und Ressourcen sowie die Aktivierung der Bürgerschaft. Das integrierte städtebauliche Leitbild bereitet eine geordnete städtebauliche Entwicklung vor. Es dient als Instrumentarium zur Abstimmung mit Fachbehörden und ermöglicht im Gegensatz zum Flächennutzungsplan die Festlegung von prioritären Standorten und Projekten.
Leitlinien Die Gemeinde Seebad Heringsdorf verfügt über sehr gute Ausgangsbedingungen, um sich als agiler und prosperierender Tourismusort weiterzuentwickeln. Die Fusion stellt hierbei kein Hindernis dar, sondern ermöglicht aufgrund des Bedeutungsgewinns der Gemeinde im Land Mecklenburg-Vorpommern sowie den Entwicklungspotenzialen einer Doppelstadt mit Swinoujscie eine Neupositionierung im (inter-)nationalen Wettbewerb. Der Tourismussektor zu fördern und weiter auszubauen, ist das zentrale Anliegen der weiteren Entwicklung. Neben den Schwerpunkten Familien-, Bade-/Sommer- und Wellnesstourismus sind zukünftig die Segmente mit Wachstumspotenzial im Land Mecklenburg-Vorpommern auf- bzw. auszubauen. Hierzu zählen der maritime Tourismus, der Natur-, der Gesundheits- sowie der Kulturtourismus. Um im (inter-)nationalen Wettbewerb um zufriedene Gäste und Besucher weiterhin bestehen zu können, sind jedoch neue Attraktionen (z.B. Marina, Landschaft der Türme) erforderlich. Hierdurch können nicht nur die bisherigen Gäste ihren Urlaubsort neu erleben, sondern neue (junge) Gästeschichten gewonnen werden. Die Gemeinde Seebad Heringsdorf hat bereits einige Projekte und Planungen auf den Weg gebracht bzw. Diskussionen angestoßen, die diesen neuen Chancen Rechnung tragen. Hierbei lässt sie sich von folgenden Leitlinien führen: Gestaltung einer zukunftsfähigen Dreibädergemeinde, Bildung einer aktiven Doppelstadt Swinoujscie-Heringsdorf, Weiterentwicklung als attraktiver Wohn- und Arbeitsort auf der Insel Usedom-Wollin, Bekenntnis zu einem gastfreundlichen maritimen Tourismusort, Profilierung als Seebad mit hochwertigen und schützenswerten Natur- und Landschaftsräumen, Pflege der historischen und imagebildenden Seebäderarchitektur, Stärkung und Förderung der kulturellen Angebotsvielfalt, Förderung eines umfassenden deutsch-polnischen Bildungsangebotes, Schaffung eines vitalen Gemeinwesens, Etablierung als diskussionsfreudige Bürger- und Tourismusgemeinde.
Handlungsfelder Die Umsetzung der Leitlinien erfolgt durch die Konzentration auf die Handlungsfelder Siedlungsstruktur, Natur und Umwelt, Wohnen und soziale Infrastruktur, Wirtschaft und Tourismus, Verkehr und Mobilität sowie Kultur und Bildung. Die Handlungsfelder stehen gleichrangig nebeneinander und bilden den Rahmen für die fusionierte Gemeinde sowie die Kooperation mit der Stadt Swinoujscie. In der Analyse werden Stärken und Schwächen aufgezeigt, Projekte und Projektideen klassifiziert und als Teilzeile formuliert.
Integriertes Städtebauliches Leitbild Mit dem integrierten städtebaulichen Leitbild, den Schlüsselprojekten sowie den Projekträumen wird für die Gemeinde ein Handlungsrahmen geschaffen, der unter einer klaren Zielformulierung eine Vielzahl von Optionen und Angebote für die Entwicklung der Gemeinde bereithält. Das städtebauliche Leitbild basiert in seiner räumlichen Ausdehnung der Siedlungsbereiche im Wesentlichen auf der heutigen Bestandssituation. Punktuelle Ergänzungen sind vor allem im Bereich des Schloonsees vorgesehen. Wer zukünftig die Gemeinde Seebad Heringsdorf durchwandert, wird auch weiterhin die städtebauliche Vielfalt der drei Kaiserbäder wahrnehmen. Die Gemeinde bleibt ein sowohl mondänes als auch familiäres Kaiser- und Seebad und betont zusätzlich das junge, maritime und internationale. Die Verbindung von Seebäderarchitektur und Lifestyle erfolgt behutsam und setzt neue Akzente im äußeren Erscheinungsbild.
Projekträume Die Projekträume dienen dem Ausbau bzw. der Vernetzung der bandartigen Strukturen entlang der Promenade und im Hinterland sowie der Stärkung der (Orts)Zentren. Ausgewählte Projekträume sind: Ortszentrum Bansin, Schloonsee, Zentrum Heringsdorf, Europaplatz, Promenade, Weg der Türme und Das Haus der Erholung und Umfeld / Rathausplatz Innerhalb der Projekträume liegen zahlreiche Ergänzungsprojekte, deren Umsetzung entsprechend einen wichtigen Beitrag zur Stärkung dieser Räume leisten. Die Verteilung der Projekträume bewirkt eine Förderung der dezentralen Zentrenstruktur, wobei der funktionale Schwerpunkt im Zentrum Heringsdorf liegt. Eine wesentliche Zielstellung ist die Freihaltung von Sichtachsen vom Platz des Friedens in Richtung Ostsee und umgekehrt. Durch die Neugestaltung sollen die Besucherströme aus der Friedensstraße zur Strandpromenade bzw. von der Seebrücke zum Platz des Friedens geführt werden. Um dieser Verteiler- bzw. Scharnierfunktion gerecht zu werden, sind die Errichtung eines neuen Gebäudes anstelle des bisherigen EKZ sowie das Abtragen der Sanddüne zwischen dem Platz des Friedens und dem EKZ erforderlich. Geplant ist die Errichtung von zwei separaten Baukörpern zwischen denen eine terrassenförmig angelegte Treppe zur Strandpromenade führt. Zusammen mit der Neugestaltung des Platz des Friedens wird über die Treppenanlage ein neuer zentraler öffentlicher Gemeindeplatz geschaffen, der für die Tourismusgemeinde imagefördernd und für die Bürgergemeinde Heringsdorf identitätsstiftend wirkt.
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