ZIELSETZUNG UND FUNKTION DES REK VORPOMMERN Die Region Vorpommern verfügt über eine Vielzahl von privaten und öffentlichen Initiativen, die mittel- bis langfristig zu einer Steigerung der regionalen Wirtschaftskraft sowie einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen sollen. Das Spektrum der Initiativen reicht von der Errichtung einer Biogastankstelle in Anklam mit einem Investitionsvolumen von ca. 800.000 Euro bis zur Erweiterung des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund für ca. 58 Mio. Euro. Das Investitionsvolumen spiegelt jedoch nicht die Qualität der jeweiligen Projekte bzw. die Funktion für die In-Wert-Setzung der Region wider. Neben Initiativen mit lokaler Bedeutung (z.B. Renaturierung des Galenbecker Sees) gibt es Projekte von überregionaler Ausstrahlung (z.B. Neubau der Marina Greifswald-Ladebow). Auch hier stellt sich die Frage nach der Qualität der Projekte und der Funktion für die Region bzw. ihrer Teilräume. An diesen Punkten setzt das projektorientierte Regionale Entwicklungskonzept (REK) Vorpommern an. Das REK benennt handlungsfeldbezogen die Projekte, die aufgrund ihrer potenziellen Struktur-, Synergie- und Ausstrahlungseffekte sowie ihrer qualifizierten Ausarbeitung kurz- bis mittelfristig zur Regionalentwicklung beitragen. Die Bündelung einzelner Initiativen an einem Standort, wie z.B. dem Städtedreieck Stralsund-Greifswald-Grimmen sowie die Vernetzung der Projekte erhöht die Chancen der Region, sich mittel- bis langfristig im internationalen Wettbewerb positionieren zu können. Eine Voraussetzung hierfür wurde im REK durch die Erarbeitung eines räumlichen Entwicklungskonzeptes geschaffen, das die hochwertigen Projekte (Ia-Projekte) mit den Standortqualitäten der Teilräume (z.B. Entwicklungszentren Stralsund, Greifswald; Dynamikzonen/Tourismusräume Rügen, Usedom) verknüpft. Ein wesentlicher Bestandteil regionaler Entwicklungsprozesse ist die Initiierung und Umsetzung von Projekten, da diese zur Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft sowie der Raumstruktur beitragen. Mit dem REK Vorpommern liefert der regionale Planungsverband Vorpommern eine wesentliche konzeptionelle Grundlage zur Unterstützung entsprechender Prozesse. Das REK Vorpommern steht als informelles Planwerk neben dem rechtsverbindlichen Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) Vorpommern an zentraler Stelle bei der Neuausrichtung des regionalen Planungsverbandes Vorpommern. Während das RROP Vorpommern die Ziele der räumlichen Entwicklung bestimmt und damit den Rahmen für die Initiativen der regionalen Akteure setzt, wird mit der Benennung konkreter Projekte im Regionalen Entwicklungskonzept (REK) zur Umsetzung der Ziele beigetragen. Aufbauend auf wichtigen Vorarbeiten, wie das im Rahmen des Regionalmarketing abgestimmte Leitbild für Vorpommern, wird der Regionalplanung durch das REK eine neue Form umsetzungsorientierten Handelns ermöglicht. Im Mittelpunkt des REK steht dazu die Identifikation und systematische Aufbereitung der für eine nachhaltige Entwicklung der Region besonders bedeutsamen Projekte. Die Potenziale zur Vernetzung und zur Bündelung der Kräfte und Aktivitäten werden aufgezeigt und durch eine Prioritätensetzung wird bei den zu verwirklichenden Projekten auf positive Beschäftigungs- und Arbeitplatzeffekte in der Region hingewirkt. Das Regionale Entwicklungskonzept Vorpommern stellt einen wesentlichen Baustein der Raumordnung im Übergang von der reaktiven zur agierenden Planungsverwaltung dar. Das REK ermöglicht es der Landes- und Regionalplanung, Schwerpunkte der zukünftigen Regionalentwicklung zu benennen und v. a. aktiv mitzugestalten. Es geht u.a. um eine Konzentration von Mitteln bzw. eine Bündelung von Ressourcen auf die Projekte, die zu einer In-Wert-Setzung der Region beitragen. Dies hat zur Folge, dass zukünftig keine Gleichverteilung von Mitteln auf den Gesamtraum erfolgt, sondern räumliche Schwerpunkte benannt werden. Das Regionale Entwicklungskonzept Vorpommern enthält daher zwei wesentliche Komponenten: - die Identifizierung von impulsgebenden Projekten; - die Erarbeitung eines räumlichen Leitbildes.
AUSGANGSSITUATION DER REGION Die ökonomischen Rahmenbedingungen für die Region sind hinlänglich bekannt. Die Region zählt mit ihrer geringen Wirtschaftskraft und Bruttowertschöpfung zu den strukturschwächsten Räumen in Deutschland. Dies macht sich u.a. an der hohen Arbeitslosenquote (2000: 21,9 %), einer sehr geringen Industriedichte (weniger als 25 Beschäftigte auf 1.000 Einwohner; zum Vergleich Schleswig-Holstein ca. 50) sowie einer geringen Anzahl an Großbetrieben im verarbeitenden Gewerbe bemerkbar. Tragende Säulen der Wirtschaftsstruktur sind neben den öffentlichen Einrichtungen (Hochschulen, Gebietskörperschaften) die privaten Unternehmen im Tourismussektor, im Baugewerbe, in der Landwirtschaft sowie im maritimen Gewerbe. Der überwiegende Teil dieser Unternehmen verfügt jedoch über zu wenig privates Kapital für Investitionen und ist aufgrund von Neugründungen bzw. Umstrukturierungen nach der Wende mit hohen Krediten belastet. Der Tourismus hat sich in den letzten zehn Jahren als ein wesentliches Standbein der wirtschaftlichen Entwicklung der Region erwiesen. Aufgrund der naturräumlichen Potenziale, der Sanierung bauhistorischer Ensemble sowie Gebäude und dem Aus- und Aufbau der touristischen Infrastruktur ist es der Region insbesondere entlang der Küste gelungen, jährlich steigende Übernachtungs- und Gästezahlen zu verzeichnen. Im Bereich der zukunftsträchtigen Wirtschaftszweige haben sich die Biotechnologie sowie die Gesundheitstelematik als Wirtschaftsfaktoren bzw. als Branchen mit überregionaler Bedeutung etabliert. Zur Stärkung der Wirtschaftsstruktur tragen Netzwerke bei, wie sie mit dem InnoRegio-Vorhaben DISCO im Bereich gesundheitstelematische Dienstleistungen sowie den Netzwerken Maritime Allianz Ostseeregion und BioconValley bestehen. Im Jahre 2001 lebten in der Region ca. 508.000 Einwohner. Ein wesentliches Merkmal der Region ist die geringe Bevölkerungsdichte in Verbindung mit zahlreichen kleinen historisch gewachsenen Siedlungseinheiten im ländlichen Raum (ca. 75 % der Städte und Gemeinden haben weniger als 1.000 Einwohner). Die schlechten Arbeitsmarktbedingungen führen zu einer Abwanderung insbesondere junger Menschen aus der Region. In Verbindung mit den prognostizierten Geburtenrückgängen und einer Überalterung der Bevölkerung, ist mit einer Entleerung insbesondere der ländlichen Räume zu rechnen. Die zunehmende Verflechtung zwischen Wirtschaftsstruktur und Raumordnung stellt neue Anforderungen an die Landes- und Regionalplanung. Sie versteht sich nicht mehr ausschließlich als eine die Entwicklung steuernde und regulierende Raumplanung, sondern ist zusätzlich Partner der lokalen und regionalen Akteure bei der Initiierung und Begleitung regionaler Entwicklungsprozesse.
|
|
INHALTE UND METHODIK DES REK VORPOMMERN Zur Erfüllung der o.g. Funktion und den damit verbundenen Anforderungen an das REK wurde eine Methodik angewendet, die ein Gesamtbild über vorhandene Initiativen in der Region liefert (Punkt 1: Sammlung), diese anschließend bewertet (Punkt 2: Bewertung) und in eine räumliche Gesamtstrategie einbindet (Punkt 3: Vernetzung). Bei der Erarbeitung des REK konnte auf teilräumliche Entwicklungsplanungen der kreisfreien Hansestädte Stralsund und Greifswald sowie der Landkreise Nordvorpommern, Ostvorpommern, Rügen und Uecker-Randow bzw. auf einzelne sektorale Gutachten (z.B. Entwicklungspotenziale der Landwirtschaft in der Planungsregion Vorpommern) zurückgegriffen werden. Ergänzt wurde diese Vorarbeit durch regionale Initiativen wie beispielsweise Regionen aktiv und LEADER+ einschließlich der hierbei erarbeiteten Projekte. Der Aufbau des REK umfasst im wesentlichen die folgenden Bausteine: - Bestandsaufnahme/Strukturanalyse, - Stärken-Schwächen-Analyse, - Leitbilder und Entwicklungsziele, - Regionsbezogene Handlungs- und Entwicklungsprogramme. Für die ersten drei Bausteine konnte auf z.T. bereits abgestimmte Vorarbeiten zurückgegriffen werden. Diese wurden ausgewertet, ggf. dem Kontext des REK Vorpommern entsprechend angepasst und zusammenfassend dargestellt. Punkt 1: Sammlung Zur Identifikation der Projekte wurden die in den vorliegenden Gutachten und Konzepten formulierten Initiativen (Projekte, Maßnahmen, Zielformulierungen etc.) auf ihren Projektgehalt überprüft. Basierend auf dem zunächst nur geringen Kenntnisstand zu den verschiedenen Vorhaben/Initiativen in der Region wurde eine Unterteilung in vier Kategorien vorgenommen: - Projektvorbereitende Handlungen/Verhaltensweisen (z.B. Projekt für saisonverlängernde Maßnahmen kreieren). - Projektvorbereitende Studien/Planungen (z.B. Machbarkeitsstudie für ein Spaßbad). - Räumlich-sachliche Projekte (z.B. Realisierungsplanung für ein Spaßbad). - Originäre Aufgaben von Fachbehörden (z.B. Ermittlung des Versorgungsgrades der Bevölkerung mit Sport- und Freizeitbädern). Eine entsprechende Zuordnung der von den kreisfreien Hansestädten sowie Landkreisen in ihren Gebietskörperschaften erstellten Listen, erbrachte über 200 Projekte mit unterschiedlichen Entwicklungs- und Informationsstand. Anschließend erfolgte eine Zuordnung zu Handlungsfeldern entsprechend der thematischen Schwerpunktsetzung der Projekte. Von den über 200 eingereichten Projekten konnten letztendlich 79 Projekte evaluiert werden, da sich diese noch bzw. schon im Planungsstatus befinden. Bei den anderen Projekten erübrigte sich eine Bewertung, da sie sich bereits in Realisierung befinden oder aufgrund des geringen Informationsstandes einer fundierten Beurteilung entziehen. Der Schwerpunkt bei den Projekten in Planung lag im Handlungsfeld Tourismus und Naherholung (31) gefolgt von den Handlungsfeldern Wirtschaft, Forschung und Hochtechnologie (21), Technische Infrastruktur (17) sowie Kultur, Bildung und soziale Infrastruktur (14). Die wenigsten Projekte wurden im Handlungsfeld Umwelt, Natur und Landschaft (8) benannt. |
|
Punkt 2: Bewertung Zur Beurteilung der Projekte in Planung wurde ein Kriterienkatalog bestehend aus drei unterschiedlichen Bereichen erarbeitet: 2 Kriterien wurden aus den Zielen und Leitlinien des RROP Vorpommern abgeleitet, 3 dienen zur Identifizierung von Struktur-, Synergie- und Ausstrahlungseffekten und 3 weitere geben Auskunft über den Projektstand bzgl. Finanzierbarkeit, Akzeptanz und Organisation. Die Gewichtung der einzelnen Kriterien erfolgte anhand von Indikatoren. Jedem Kriterium wurden 2 oder 3 Indikatoren zugeordnet. Die Summe der Indikatoren ergibt die Wertung des Kriteriums (3-stufige Skala im Sinne von: erfüllt, teilerfüllt, nicht erfüllt), wobei die Bewertungskriterien entsprechend ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Region unterschiedlich gewichtet wurden (z.B. Struktureffekte 4-fach; Projektakzeptanz 2-fach). Für die In-Wert-Setzung der Region sind insbesondere die Projekte mit hohen Struktur-, Synergie- und Ausstrahlungseffekten für die Region kurz- bis mittelfristig zu realisieren, die gleichzeitig einen hohen Ausarbeitungsstand (Akzeptanz, Organisation, Finanzplan) haben und den Leitlinien der Regionalplanung entsprechen. Dies trifft insbesondere für 40 (Ia-Projekte) von den 79 bewerteten Projekten zu. Im Gegensatz zu den anderen Projekten haben diese eine besondere regionale Bedeutung, während die Umsetzung der anderen Projekte unter dem Aspekt teilräumlicher sowie lokaler Entwicklung wichtig ist. Punkt 3: Räumliche Gesamtstrategie; Vernetzung Das räumliche Leitbild bildet die konzeptionelle Grundlage für die Entwicklung einer regionalen Gesamtstrategie, baut auf den vorhandenen Stärken in den einzelnen Handlungsfeldern auf und greift in Realisierung befindliche Projekte auf (z.B. 2. Fähranleger in Ueckermünde). Das Leitbild zeigt Optionen für die zukünftige Entwicklung der Region und dient zusammen mit den Projekten als Grundlage für die Entwicklung des räumlichen Entwicklungskonzeptes. Für die Region ergibt sich folgendes Bild: Die Hansstädte Greifswald und Stralsund bilden die Entwicklungszentren der Region, die zusammen mit den weiteren Zentren Rostock, Neubrandenburg und Szczecin die wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Zentren der Region sind und als Impulsgeber für die Entwicklung der Region wirken. Die Dynamikzonen befinden sich entlang der (geplanten) A 20, den Autobahnzubringern, den Bundesstraßen sowie den überwiegend parallel zu den Bundesstraßen verlaufenden Eisenbahntrassen. Eine weitere Dynamikzone verläuft im nördlichen Teilraum des Landkreises Ostvorpommern entlang der regionalen Achse Greifswald-Vierow-Lubmin-Wolgast und verbindet das Mittelzentrum Wolgast mit dem Entwicklungszentrum Greifswald. Mit dem Standort Grimmen verfügt das Städtedreieck Stralsund-Greifswald-Grimmen über eins von 3 Verteilerzentren (weitere: Pasewalk und Sassnitz-Mukran) in der Region, die aufgrund ihrer räumlichen Lage an den Schnittpunkten von Straßen, Schienen und/oder Häfen zukünftige Drehscheiben bei der Verteilung von Waren und Gütern sind. Die Schwerpunkte der touristischen Entwicklung werden weiterhin auf den Inseln Rügen und Usedom sowie der Halbinsel Fischland-Darß (Dynamikzonen/Tourismusräume) liegen. Während die ländlich geprägten Dynamikzonen/Tourismusräume von ihrer Insellage leben, können die landwirtschaftlich geprägten Entwicklungsräume im Binnenland von ihren naturräumlichen und kulturellen Potenzialen sowie den geringen Restriktionen für deren Nutzbarmachung profitieren. Die Schutzzonen haben hingegen eine herausragende Bedeutung für Naturschutz und Landschaftspflege. Sie orientieren sich im wesentlichen an den großflächig ausgewiesenen Schutzgebieten. Das Hauptaugenmerk der Regionalentwicklung liegt in der Konkretisierung des Leitbildes durch Projekte. Neben den Ia-Projekten aus der Bewertung gibt es eine Vielzahl von Projektideen in den Hansestädten sowie Landkreisen, die das Leitbild untersetzen und aus diesem Grunde in das Räumliche Entwicklungskonzept Vorpommern einfließen. Das REK wird somit zu einer handlungsorientierten Gesamtstrategie, dessen Umsetzung nicht nur durch Handlungsempfehlungen, sondern bereits durch konkrete Projekte untersetzt wird. Das räumliche Entwicklungskonzept ist somit ein Instrument, das durch die Umsetzung der Projekte Struktureffekte (Arbeitsmarkt) induziert und zu einer Stärkung der einzelnen Teilräume entsprechend ihrer Funktion (Verteilerzentrum, Entwicklungsraum etc.) innerhalb der Region führt. |
|
RESUMÉE UND AUSBLICK Der Regionale Planungsverband leistet entsprechend seinem Verständnis als Vertreter einer nachhaltigen Regionalentwicklung mit dem REK einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der Strukturschwäche (u.a. hohe Arbeitslosigkeit) in der Region. Durch die projektorientierte Gestaltung verknüpft das REK, entsprechend der Forderung des Arbeitsmarkt- und Strukturentwicklungsprogramms (ASP) Mecklenburg-Vorpommern, die räumliche Entwicklung der Region mit Bausteinen der Wirtschaftsförderung bzw. der Arbeitsmarktpolitik des Landes. Dabei kann die Regionalplanung aber nur bedingt auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes Einfluss nehmen. Ihre Aufgabe besteht darin, die Ia-Projekte und die Projektideen, die das Leitbild untersetzen, administrativ zu unterstützen (bspw. bei der Fördermittelbeantragung) bzw. weiter zu qualifizieren, um somit die neu entstehenden Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Dabei kann auf die Erfahrung in bereits etablierten Projekten zurückgegriffen werden. Ebenfalls ist eine Ankopplung an bestehende Netzwerke denkbar. Der erfolgreiche Wissenstransfer erleichtert die Projektarbeit und verhilft ggf. zu kürzeren Umsetzungszeiten. Um dies zu erreichen, ist eine kontinuierliche Beratung und Evaluierung der Projekte notwendig. Die regionale Betrachtungsweise lässt Teilinteressen der Gebietskörperschaften zugunsten einer gemeinsamen Entwicklung in den Hintergrund treten, so dass sich die Region Vorpommern mit ihren Standortqualitäten im innerregionalen Wettbewerb profilieren kann. Die Vertiefung dieses Prozesses ist wesentlicher Bestandteil der Fortschreibung des REK Vorpommern und ist zu ergänzen durch die Abstimmung mit den angrenzenden Nachbarregionen. |
|
. . |
|
| Zurück |
|