Die Stadt Eisenach sieht sich mit einem wichtigen Problem für ihre Zukunft konfrontiert: Wie kann das industriell geprägte Hörseltal, das sich heute als städtebaulich und ökologisch desolate Umgebung darstellt, im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung revitalisiert werden? Mit der Entwicklung des Gewerbegebietes In der grossen güldenen Aue wurde bereits ein erster Anstoss für die Umstrukturierung des Hörseltals gegeben. Diese ersten positiven Ansätze sollen aufgegriffen und im Sinne einer integrierten Entwicklungsstrategie für den gesamten Talraum fortgeführt werden, damit nicht durch weiteres Brachfallen der weniger attraktiven Bereiche die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Umstrukturierungsprozess werden.
Entsprechend de Komplexität der Aufgabenstellung sollen bei der Umstrukturierung des Hörseltals ganzheitliche Ansätze angewendet werden, die über die Palette klassischer Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsnassnahmen hinausgehen. Räumliche und wirtschaftliche Entwicklungen sind immer weniger vorhersagbar. Darum reicht es nicht länger aus, lediglich ein städtebauliches Bild als wünschenswerten Endzustand zu fixeren und anschliessend zu versuchen, dieses Bild umzusetzen. Gefordert sind statt dessen flexible, prozessorientierte Entwicklungskonzeptionen, die auch über längere Planungszeiträume hinweg sich ändernde Rahmenbedingungen aufnehmen und gestalten können. Die vorliegende Entwicklungsstrategie stellt in diesem Sinne einen neuartigen Ansatz jenseits der klassischen Rahmenplanung dar. Sie versteht sich nicht als abgeschlossener Entwurf, sondern als Netzwerk mit flexiblen Planungs- und Programmbausteinen, kleinteiliger, massnahmenorientierter Umsetzung vor Ort und einer durchgängigen Prozessbegleitung. Die Planung wird begleitet durch eine Fortschreibbahre räumliche Darstellung der Entwicklungsdynamik und Aktivitäten vor Ort sowie Aktionen und Veranstaltungen (z.b. das Hörseltal-Forum), die den Umstrukturierungsprozess im Sinne einer Zukunftswerkstatt für das Hörseltal begleiten und unterstützen sollen. Der Prozess der Umgestaltung wird zum sichtbaren Zeichen, das neue Aktivitäten freisetzt. Die Entwicklungsstrategie besteht aus verschiedenen, zeitlich parallel ablaufenden Massnahmenfeldern von der gesamträumlichen Betrachtung bis zur Vertiefung in einzelnen Detailbereichen.
Methodischer Ansatz Die Problemsituation im Umstrukturierungsgebiet Hörseltal erfordert eine möglichst offene Gestaltung des Planungs- und Umsetzungsprozesses mit einer umfassenden Beteiligung aller Betroffenen. Anstelle traditioneller Angebotsplanung soll ein flexibles, situationbezogenes und bedürfnisorientiertes Planungshandeln treten, mit dem auf Änderungen des Planungs- und Umsetzungsprozesses kurzfristig reagiert werden kann. Im mittelpunkt der Überlegungen steht nicht ein städtebauliche fixiertes Bild des Hörseltals sondern der Anschob und die Steuerung der Umstrukturierung über eine Vielzahl von aus der Gesamtstrategie abgeleteten Einzelmassnahmen, die von traditionellen Stadtentwicklungsmassnahmen begleitet werden. Die sofortige Aufarbeitung aller Missstände im Hörseltal ist weder finanziell noch organisatorisch machbar, daher werden kleinteilige, sequentielle Planungen und Massnahmen auf verschiedenen, zeitlich parallelen operativen Ebenen angestrebt; diese ausgewählten Massnahmen sollen beispielhaft im Sinne einer Initialzündung für die jeweiligen Teilbereiche wirken, mit ihren Funktionen auf benachbarte Bereiche ausstrahlen und dazu beitragen, dort den prozess der Umstrukturierung anzustossen. Der planerische Umgang mit den Vorhandenen räumlichen Strukturen des Bandtals soll konkretisiert und angereichert werden mit exemplarisch ausgewählten innovativen Massnahmenfeldern, wie Bereitstellung von Verfügungsräumen, Etablierung von Genossenschaftsmodellen und Durchführung einer ökonomischen Flächen- und Raumbewertung. Weitere Massnahmenfelder und Einzelmassnahmen können im Zuge des Entwicklungsprozess in die Gesamtstrategie eingefügt werden. Das Hörseltal-Forum und ein permanentes Projektbüro bilden den Rahmen für die Rückkopplung von Strategieansatz und der Realisierung von Einzelmassnahmen. Die Aufwertung des Talraums im Bewusstsein von Bevölkerung, Anwohnern und Investoren ist ausdrückliches Ziel der Gesamtstrategie.
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