In der Landeshauptstadt München werden durch die Verlegung des Güter- und Containerbahnhofes in den nächsten Jahren 156 Hektar innerstädtischer Fläche einer neuen Nutzung zugeführt. Diese Flächen stellen aufgrund der Dimension, der ÖPNV-Erschließung und der städtebauliche bedeutenden Lage das grösste entwicklungspotential Münchens in den nächsten Jahren dar. Der städtebauliche Wettbewerb wurde von 1997-99 in zwei stufen durchgeführt. Der Entwurf der planungsgruppe 4 wurde in der ersten Wettbewerbsstufe mit einem Ankauf ausgezeichnet. Im Rahmen der anschliessenden Vertiefungsstufe wurde der Teilbereich Laim/ Nymphenburg bearbeitet.
Stadtplanung ist gefordert. Entwurf für die zentralen Flächen der Münchener Innenstadt heisst, eine Organisationsstruktur, zu schaffen für zukünftige urbane Entwicklung. Wie entfaltet sich Stadt an diesem Ort ohne die Starrheit der Grossform oder die Ausschliessliche Fortführung von Bestehendem? Unsere Entwurfstrategie zielt darauf ab, räumliche Programmatik zu organisieren und den Prozess der Stadtwerdung zu aktivieren Ziel unsere Arbeit ist es, grösstmögliche Offenheit und Flexibilität der Baustruktur in Balance zu bringen mit einem dichten und integrierten Stadtraum. Die zentralen Bahnflächen bilden heute eine Art Stadtrand in der Stadt. Auf eine Länge von 7 km begegnen sich radikal unterschiedliche städtische Räume. Dichte Innenstadt wechselt ab mit peripher anmutenden Restflächen. Die Weite von Landschaftsparks trifft auf Dichte Wohnquartiere. Der Entwurf begegnet der Charakteristik und Verschiedenartigkeit dieser Räume und setzt sie um in ein flirrendes Feld urbaner Intensitäten. Die Stadt der Differenz wird zum prägenden Prinzip. Die Stadtstruktur entwickelt sich im Dialog von Kontext und Linearität. Wichtige Strukturlinien der umgebenden Quartiere werden fortgeführt und überlagern sich mit einem System von linearen Stadt- und Freiraumfeldern. Die Hetrogenität der Umgebung und die Richtung der Gleise begegnen sich in einem kontextuellen Raster, die Stadt wächst als flexibles Gitter, dass eine möglichst hohe Vielfalt und Dynamik urbaner Entwicklung ermöglicht. Die einzelnen Felder erhalten eine jeweils eigene Programmatik wobei sich angrenzende Felder unterscheiden. Nutzung und Aktivitäten jedem Stadt- und Freiraumfeld wird ein Rahmen urbaner Aktivitäten zugewiesen, der sich aus der Lage im Stätischen Gefüge ergibt. Der Charakter eines Feldes wird bestimmt durch das Mischungsverhältnis von Wohnen und Arbeiten, sowie den Grad der Urbanen Intensität. Es entsteht ein Stadtraum mit sequentieller Ereignisdichte der durch Bewegungslinien und fliessende Freiräume gegliedert wird. Landschafts- und Stadtfelder stehen innerhalb der Struktur gleichberechtigt nebeneinander und bilden einen Rhytmus von Freiraum- und Bautypologien, der die Vielfalt und das Erlebnis unterschiedlicher Räume, Texturen und Aktivitäten über das gesamte Gebiet ermöglicht. Stadtmorphologie die gewählten Baustrukturen sollen Typologiemerkmale und Trennschärfen zwischen den den einzelnen Stadtfeldern Herstellen, ohne die Architektonische Ausformung bereits zu sehr festzulegen. Es wurden vielmehr Grundprinzipen angewandt, die aus einer Kontextanalyse Münchener Stadtblöcke resultieren. Die drei Prinzipen Gewebe (Verflechtung), Block (Transformation und Solitär (Gruppierung) werden in den verschiedenen Dichteausprägungen jeweils auf die einzelnen Stadtfelder übertragen. Es entsteht eine urbane flächensparende Struktur mit hoher Kompaktheit und Verdichtung auf den Baufeldern, die in spannungsreichen Kontrast zu den Freiräumen tritt.
Die Stadtstruktur. Die Unvorhersehbarkeit späterer Architekturen erfordert eine robuste Stadtstruktur, die es erlaubt, wichtige städtebauliche Rahmenbedingungen für die Erweiterung von Nymphenburg und Laim zu definieren und gleichzeitig in der Ausformung der Baufelder eine möglichst grosse Offenheit und Flexibilität zu ermöglichen. Der Entwurf basiert daher auf einer Grundstruktur, die in ihrer Logik unabhängig von späteren Fragen der Architektur und Ausführung ist. Der dargestellte Entwurfansatz mit seinen verschiedenen Schichten der Konkretisierung von der Grundstruktur in der ersten Wettbewerbsphase bis zum jetzigen konkreten Stadtgrundriss für Laim und Nymphenburg ermöglicht es, jederzeit vom besonderen Entwurfsdetail auf eine allgemeinere Fassung zurückzugreifen ohne den Gesamtentwurf in Frage zu stellen. Das dem Entwurf zugrundeliegende Kontextuelle Raster schafft eine Anbindung der neuen an die bestehenden Strukturen, bindet die Stadtquartiere zusammen und ermöglicht eine strukturelle Vernetzung über das Gleisfeld hinweg. Die vorhandenen Stadtstrukturlinien werden mit ihren unterschiedlichen Richtungen auf die neuen Baufelder ausgedehnt und überlagern sich hier mit der linearen Ausrichtung entlang der Bahnkante. Die neuen Stadtquartiere erhalten hierdurch eine klare und dennoch vielfältig verzahnte Struktur, die Monotonie vermeidet und sich intensiv mit dem Kontext verzahnt.
Der Stadtgrundriss entwickelt sich als fliessende Abfolge von Bau- und Freiraumfeldern deren Form und Dimension sich aus den vorhandenen Stadtstrukturlinien ableitet. Der Zusammenhang von Baufeld und städtischen Freiraum lässt ein Webmuster zwischen bebautem und offenem Raum entstehen das die Voraussetzungen für das Wachstum intensiver und lebendiger Stadtquartiere herstellt. Die Ausbildung attraktiver Adressen in Nymphenburg wird durch die durchgängige Verzahnung von Baufeldern und Freiräumen unterstützt. Jedes Gebäude der neuen Stadtquartiere liegt am Park, wodurch die einzelnen Baufelder kompakt und dicht ausgeführt werden können und dennoch gut durchgegrünt sind. Abwechslungsreiche Wegeführungen entlang der Gebäudefluchten und Parkränder vermitteln neben guter sozialer Kontrolle den Eindruck einer trotz urbaner Dichte aufgelockerten Stadtstruktur. Die Organisation des Stadtgrundrisses greift Grundmuster des Städtischen auf, die sich traditionell bewährt haben. Nach eingehender Analyse werden diese Grundmuster variiert übertragen um klare und prägnante räumliche Situationen innerhalb der neuen Stadtstruktur erzeugen zu können. - Städtisches Erschliessungssystem als geschlossenes Netz unter Vermeidung von Sticherschliessungen. - Parzellenorganisation auf den Baufeldern. - Differenzierte Raumfolgen unter Verwendung einfacher Grundelemente (Strasse, Platz, Freiraum, Bauflucht) - Städtische Typologie der Freiräume mit begleitender Strassen- und Wegführung - Nutzungsmischung in unterschiedlicher Abstufung als städtisches Grundprinzip. Das zentrale Infrastrukturbauwerk, der neue ICE Bahnhof zwischen Laim und Nymphenburg kann zunächst nicht beeinflusst werden. Die Arbeitsgemeinschaft definiert dennoch Vorgaben für den städtischen Raum, die sich aus den Anforderungen der Stadtquartiere ergeben und die bei einem neuen Bahnhofsentwurf beachtet werden müssen. Die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für das urbane Wirkungsfeld, das zwischen Nymphenburg und Laim entsteht, wird darüber entscheiden, ob der angestrebte Brückenschlag zwischen den Stadtteilen gelingt. Der Übergang von den Stadtquartieren zum Bahnhof bzw. zu den Fussgängerüberführungen über das Gleisfeld wird jeweils durch Plätze ausgebildet. In Laim bildet der Bahnhofsvorplatz das Entree zur neuen Eingangshalle unter den Gleisen, die gleichzeitig Bahnhofshalle und Shopping-Mall sein wird. Galleria- Geschäfts- und Kulturgebäude umgeben den Platz und prägen den neuen städtischen Rahmen des Laimer Bahnhofs. Der Platz wendet sich als leicht abgesenktes Karree vom Verkehr der Kreuzung ab und ist als introvertierter Raum inmitten dieser urbanen Umgebung konzipiert - Treppen und schräge Ebenen führen auf das Niveau der Kreuzung. Der Fussgänger-Flyway über die Gleise wird über ein Transferium-Gebäude direkt vom Platz oder über den Bahnhof erreicht.
Die Baufelder Die einzelnen Baufelder innerhalb der Gesamtstruktur bilden einen Rhythmus von Typologien, der die Vielfalt und das Erleben unterschiedlicher Räume, Texturen und Aktivitäten über das gesamte Gebiet ermöglicht. In allen Baufeldern ist in unterschiedlicher Ausprägung Nutzungsmischung möglich. Die Baustrukturen sind daraufhin konzipiert, eine möglichst grosse Bandbreite verschiedener städtischer Nutzungen verträglich aufzunehmen. Für die Baufelder werden ein Kanon von Baustrukturen sowie grundlegende Prinzipien zur Anordnung angegeben. In Norden schliesst das Feld Stadt und Garten an die bestehende Einzelhausbebauung an. Aufbauend auf einer einfachen Parzellenstruktur werden zwei Stadtvillentypen auf Gemeinschaftsgrundstücken organisiert. Das darauffolgende Feld Microcosmos- Firma und Familie schafft die Voraussetzung für eine zukunftsweisende Mischung individueller, kleinteiliger Wohn- und Arbeitsformen (Loft-, Atelier, Werkstatt, Gemeinschaftswohnen). In Typologie und Dichte dem Stadtvillenfeld verwnadt, können bei dieser Bebauungsform auf Basis einer flexiblen Parzellenstruktur eine Bandbreite von Gebäudemodulen frei kombiniert werden. Die Möglichkeiten reichen dabei vom boxformigen Loftgebäude über individuelle Haustypen mit integrierter Gewerbeeinheit bis zum Atelier und Werkstattgebäude. Die Ausweisung dieses Feldes erfolgt als Mischgebiet. Nach Süden wird um den Nymphenburgplatz eine höhere städtische Dichte und Nutzungsvielfalt angestrebt. Die Baufelder Stadt in der Stadt bieten an dieser Stelle ein Höchstmass an Nutzungsmischung und räumlicher Intensität. Ein Kanon unterschiedlicher solitärer Bauformen von der Zeile über Winkelbildungen bis zu geschlossenen Hofformen wird abwechselnd auf Einzelparzellen organisiert, wobei die Parzellen über die gesamte Breite des Baufeldes reichen. Möglichkeitn zur Nutzungsmischung bestehen sowohl in horizontaler (z.b. Wohngebäude neben Geschäfts- und Bürohaus) als in vertikaler Richtung (Wohnungen in Staffelgeschossen von Bürogebäuden). Die Auswahl von Kern-, Mische- und Wohngebietsflächen wird bei diesem Baufeld differentziert parzellenweise vorgenommen. Entlang der Bahnkante werden differentzierte Lärmschutzmassnahmen angewandth um Beeinträchtigungen zu minimieren. Wohnen findet ausschliesslichh in zur Bahn hin geschlossenen Haustypen statt. Zusätzlich werden passive Schallschutzmassnahmen in Form von Wintergärten vorgesehen. In Einzelfällen können gläserne Verbinder zwischen den einzelnen Gebäuden das Eindringen von Schall in die Innenhöfe verhindern und gleichzeitig Serviceeinrichtungen wie Cafeterias, Kinderläden etc aufnehmen. Ebenfalls an der Nymphenburgplatz schliesst das Feldt Stadt und Nähe an. Ein hoher Wohnanteil an diesem zentralem Ort steht im Mittelpunkt der konzeptionellen Überlegung. Die einzelnen Bestandteile der aufgelösten Blockform bilden eine differenzierte Durchdringung von Innen und Aussen. Zum Nymphenburgplatz schliesst ein Kopfgebäude mit Geschäften, Büros und Transferium zum Erreichen des Flyways ein. Im Sydwesten bildet ein Cité Industrielle-Feld den Abschluss zur Bahnkante. Kompakte Solitärgebäude formen einen einprägsamen Rhytmus entlang der neuen Stadteinfahrt. Die Ausweisung erfolgt als Gewerbegebiet. In Laim wird die urbane Situation um den neuen Bahnhofsplatz durch Stadtspitzen-Felder geprägt. Solitäre Geschäfts-, Galleria- und Bürogebäude werden auf einem Sokelplateau gruppiert, unter dem sich P+R Plätze befinden. In der östlichen Fortsetzung schliesst ein weiteres Stadt in der Stadt -Feld an, das im Rahmen einer Kerngebietsnutzung eine grosse Bandbreite von unterschiedlichen Gebäudeformen in eine stringente Abfolge bringt
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